Doch wieder nur ein stinknormaler Sommer

Nach den letzten zwei Jahren hatte ich insgeheim gehofft, dass wir doch im Sommer ähnliche Verhältnisse wie am Mittelmeer bekommen würden und ich endlich meine Oleander und Bougainvillea in den Garten pflanzen könnte.

Denkste, doch wieder nur ein normaler Sommer in Berlin, zu trocken zwar und ein paar heiße Tage, aber kein dauerhafter Wechsel zum Mittelmeerklima. Mein Traum vom Mittelmeergarten mit originaler Bepflanzung geplatzt.

Wir haben in Berlin zumindest die Sandkiefer, die uns einen Hauch von Pinie vom Habitus her zaubert, auch olfaktorisch kommt sie an heißen Tagen an den Geruch von Pinie heran, Zusammen mit dem Geruch der vertrockenten Wiese riecht es schon ganz stark nach Provence. Aber es fehlt der würzige Unterton nach Myrte, Zistrose, wildem Thymian und Rosmarin. Zumindest der Lavendel meint es gut mit uns.

Klar, man kann auch hier die Vegetation nachahmen, mit Pflanzen die an unser Klima angepasst sind. Aber das winterlich Bild passt dann einfach nicht mehr. Also Fenster blau anstreichen und nicht mehr in diese Ecke des Gartens sehen! Auch die Palme sieht hier zu Weihnachten deplatziert aus.

Was bleibt? In der Sommersaison ein Potemkinsches Dorf in der südlichen Ecke des Gartens aufzubauen und die Toskana ab Mitte Mai bis Anfang September zu sich nach Hause zu holen und ab September einen Überwinterungsplatz für alle Frostbeulen der Pflanzenwelt zu suchen. Glücklich der, der einen hellen 10° C warmen Ort in Berlin hat, weil die meisten der Pflanzen, die einen begeistern, tiefere Temperaturen nicht vertragen.

Oder doch einfach das Klima weiter aufheizen und das Mittelmeer über die Pforte von Burgund nach Berlin umleiten?

Dachgärten – Eine Alternative für Großstädter

Die Corona Krise hat eins gezeigt, wir haben in den Städten nicht genug Freiraum für Menschen, die dicht auf dicht wohnen.

Viele Wohnungen haben keinen Balkon, aber viele ansonsten ungenutzte Dächer können bei fachkundiger Anlage und Bepflanzung hoch über dem Straßenlärm zum Rückzugsort werden und ein Aufenthaltsort für Freizeit und Erholung sein.

Privater Dachgarten Berlin

Sowohl Besitzer, als auch Mieter können ganzjährig die Ausblicke in luftiger Höhe genießen, denn der Dachgarten und die Dachterrasse belebt und verbessert insgesamt das Stadtbild. Mit fachmännischer Unterstützung können viele ungenutzte Flachdächer, Dachgeschosse, Garagendächer und sogar Steildächer in blühende Orte umgewandelt werden.

Dachgärten haben in der Gartenarchitektur eine lange Tradition. Als ihre Vorläufer gelten die legendären Hängenden Gärten von Babylon, die als Terrassengärten in einer Dachkonstruktion über Gewölben aufgebaut und mit Bäumen bepflanzt wurden. Schon im Alten Ägypten existierte die Tradition des Dachgartenbaues, wie es die Ausgrabungen und die bildlichen Darstellungen bezeugen. Die ägyptischen Herrscher bauten große terrassierte Gartenanlagen, und die Bürger bepflanzten die Dächer ihrer Häuser. Aus dem Beispiel des Alten Ägyptens kann man schließen, dass diese Bauart sowohl aus dem heiligen Kult als auch aus den Bautraditionen entstand und außerdem noch von den klimatischen Bedingungen begünstigt wurde.

Der Garten des Nabamoun

Der Kult spielte seine Rolle bei der Errichtung von den Terrassengärten, da Hügel und Berge als Göttersitze galten. Der Bau von privaten Dachgärten wurde durch die dichte Bebauung der Städte gefördert, die über die Stadtmauern nicht wachsen konnten. Auch die Bautradition des Flachdaches, mit dem die meisten altägyptischen Häuser versehen waren, bewirkte seine verschiedenartige Nutzung, unter anderem als Garten. Im Mittelalter und in der Neuzeit angelegten Dachgärten auf herrschaftlichen Residenzen orientierten sich an diesem Vorbild. Vor allem mit der Renaissance des Flachdachs durch die Architektur der Klassischen Moderne in den Fünfziger und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte der Dachgarten einen enormen Aufschwung.

Grüne Oase in der Stadt

Heutzutage leisten grüne Dächer einen sinnvollen Beitrag zum ökologischen und ökonomischen Bauen. So verbessern Dachgärten und begrünte Dächer zu jeder Jahreszeit den Wärmehaushalt eines Hauses. Besonders bemerkbar macht sich der Vorteil in den Sommermonaten, wenn sich die Hitze in den Beton– und Steinmassen der Stadt speichert, wirken sie wie Kühlzellen und tragen damit zur Abkühlung der Stadt bei.

Temperatur Unterschiede auf dem Dach übers Jahr

In Zeiten, in denen ein schonender Umgang mit der Ressource Wasser weltweit immer dringlicher wird, bieten Gründächer die optimale Voraussetzung für ein nachhaltiges Regenwassermanagement. Bei Starkregenereignissen halten sie die Wassermassen zurück und tragen durch die Verdunstung zur Entlastung der Kanalisation bei. Denn durch die Bepflanzung können Niederschläge aufgefangen werden, statt ungenutzt ins Abwassersystem zu fließen. Das Engagement in Sachen Wasserhaushalt wird von vielen Gemeinden mittlerweile finanziell belohnt, sei es durch direkte finanzielle Zuschüsse bei der Anlage oder durch Verringerung der Abwassergebühren. Auch die natürliche Verdunstung sorgt für ein besseres Mikroklima. Mit ihrer grünen Schutzschicht aus Pflanzen verhindern sie die Aufheizung der unter dem Dach liegenden Räume und regulieren auf natürliche Art das Klima. Im Winter, wenn Wärme gebraucht wird, sorgen bepflanzte Dächer für ausreichende Isolierung. Ein weiterer gesundheitlicher Vorteil ist ihre schalldämpfenden Wirkung gegen Lärm aller Art. Bepflanzte Dächer und bewachsene Dachterrassen unterstützen auch dem Umweltschutz im Kleinen: Schadstoffe in der Luft werden von den Pflanzen gefiltert, Staub wird gebunden.

Privater Dachgarten in Berlin

Außerdem bringen Gründächer ein Stück Natur in die Stadt zurück und bieten Tieren, Insekten und anderen Kleinstlebewesen einen willkommenen Lebensraum. Fachgerecht angelegte Dachbegrünungen sorgen für Hausbesitzer auch in anderer Hinsicht als Kostenbremse: Dachbegrünungen schützen die Dachdichtung vor UV-Bestrahlung, Hagel- und Regen sowie großen Temperaturunterschieden und verlängern somit die Lebensdauer der Konstruktion.

Wie Grün darf es denn sein?

Wer ein Gründach oder einer Dachterrasse bauen möchte, der muss vor der Anlage prüfen lassen, ob ein richtiger Dachgarten oder nur ein grünes Dach auf dem Dach funktioniert. Begehbare Dachgärten sind genehmigungspflichtig, da die Statik stimmen muss und auch die Absturzsicherung ein unbedingtes Muss ist.

Soll der Dachgarten als viel benutzter Aufenthaltsort und verlängerter Lebensraum genutzt werden, wird eine so genannte Intensivbegrünung mit durchwurzelungs-fester Dachabdichtung und verschiedenen Erdschichten angelegt. Wie in einem Garten zu ebener Erde können danach Gehölze, Stauden und Blumen nach Lust und Laune gepflanzt werden.

So bunt kann extensive Begrünung sein

Achtung: Gründächer, die nicht zur Begehung vorgesehen sind, werden extensiv begrünt. Auf dünnen Erdschichten gedeihen genügsame Pflanzen wie Moos, Wildkräuter, Gräser und niedrige Stauden. Was den meisten Hausbesitzern nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass selbst Steildächer bis zu einer Neigung von 45 Grad extensiv begrünt und zu weithin sichtbaren Blickfängen werden können.

Eule mit Weile

Bei der konkreten Planung und vor allem bei der Anlage ist die Hilfe eines Fachmanns unerlässlich, denn nur der Landschaftsarchitekt kann am konkreten Objekt beurteilen, welche individuellen Möglichkeiten es gibt. Auch bei der Frage, welche Art der Bepflanzung die Beste ist, hilft der Landschaftsarchitekt.

Wenn der Architekt nichts weiß, malt er einen Kreis.

Nun ja zugegeben, nicht jeder Kreis ist schlecht.

Aber ein Kreis reicht nicht, um einen Inhalt darzustellen. Der Kreis ist die einfachste Darstellung eines Baumes und sagt trotzdem nichts über seine Qualität aus.

Das ist immer der Irrtum, dem ein Hochbauarchitekt unterliegt, wenn er neben dem Hochbau mit der Planung des Außenraumes beauftragt wird. Klar kann auch ein ambitionierter Hochbauarchitekt das grüne Umfeld planen, aber nie so gut wie ein ausgebildeter Landschaftsarchitekt. Genauso kann ein Landschaftsarchitekt einen Hochbau planen, aber nie so gut wie ein ausgebildeter Hochbauarchitekt. Der Bauherr glaubt zu sparen und ein Baum, ist ein Baum, ist ein Baum. Aber hier fangen die Probleme schon an.

Auch Bäume sind an Standortbedingungen gebunden. Nicht jeder Baum passt in die Gegend. Manche vertragen Trockenheit, andere brauchen Wechselfeuchtigkeit, die Nächsten Nachbarschaft, um zu fruchten, die Liste lässt sich fast beliebig erweitern.

An die Baustelle werden meist recht handliche Bäumchen geliefert, die, oh Wunder, nach ein paar Jahren mächtig Platz einnehmen und unter Umständen dann erhebliche Probleme bringen.

Bäume haben nicht nur eine große Krone (wenn man nicht gerade Bonsais pflanzt), sondern auch einen mindestens so großen Wurzelraum. So ist es also wichtig zu wissen, welche Ausmaße sie im erwachsenen Alter haben, wie tief der Wurzelraum reicht, welche Form der Wurzelraum hat.

Ganz abgesehen, dass die Baumschutzverordnungen der Bundesländer nun nicht mehr eine Fällung zulassen, weil er ein wertvoller Lebensraum geworden ist.

Das ist etwas was mich sehr ärgert, weil die Leute erst in diesem Stadium zum Landschaftsarchitekten finden und ich dann gezwungen bin, eine Lösung zu finden, die allen Seiten gerecht wird, meist auf Kosten des Baumes, der dann weichen muss (da geht`s mir wie Idefix, jaul!).

Der Mondgarten zur blauen Stunde

Jetzt da die Tage wieder kürzer werden, kommt mein Mondgarten endlich wieder zur Geltung. Nach einem langen Arbeitstag im Büro freue ich mich auf meinen Mondgarten, das ist mein Rückzugsort um wieder Kraft zu tanken. Bei Anbruch der Dämmerung senkt sich ein Zauber über den Garten, man kann die Pflanzen noch erahnen, hier und da leuchtet eine weiße Blüte auf, die anderen Farben treten ins Dunkle zurück. Jetzt rückt ein anderer Sinn in den Vordergrund, denn viele Pflanzen fangen erst mit Einbruch der Dunkelheit an ihren Duft zu verströmen und die Nase zu umschmeicheln.

Der Duft der Lilien bekommt einen schweren Unterton, darüber riecht es nach Zimt von den Federnelken. Süßlich riecht es, wenn man in Richtung der Levkojen und der Nachtviolen geht.

Leider funktioniert der Nachtgarten auch nicht ohne Pflanzenpflege. Meine Königslilien muss ich tagsüber gegen das Lilienhähnchen verteidigen, denn die Larven fressen alles bis auf den Stiel auf. Lilienhähnchen (Lilioceris lilii) zählen zur Familie der Zirpkäfer. Die Larven werden fünf bis acht Millimeter groß, sind unauffälliger gefärbt und graugelb. Genauso wie die Eier sind auch die Larven des Lilienhähnchens die meiste Zeit über von schleimigem Kot bedeckt, der sie wie eine schützende Hülle umgibt und gut tarnt.

Lilienhähnchenlarven

So sollte man die leuchtend roten Käfer sofort bei Sichtung absammeln und vernichten, um den Ekelfaktor des Absammelns der Larven zu umgehen. Bereits ab Ende März beginnen die Käfer, an Blättern, Blüten und Trieben von Pflanzen zu nagen. Etwas später, meist ab Anfang Mai, legen die Käferweibchen dann orangegelbe Eier an den Blattunterseiten der Pflanzen ab, aus denen sich die Larven entwickeln.

Lilienhähnchen leider nicht so gut getroffen

Auch andere Pflanzen, werden häufig von Lilienhähnchen befallen werden, so sind Zwiebelblumen wie Kaiserkrone und Schachbrettblume auf dem Speiseplan, selbst das Gift der Maiglöckchen hält sie nicht davon ab, diese anzufressen. Hauptspeise ist und bleibt aber die Lilie, alle gängigen Lilien-Arten, Sorten, Hybriden und Kreuzungen ohne Ausnahme.

Auch ein guter Sichtschutz ist abends noch wichtiger als am Tag, denn bei Dunkelheit sitzt man wie auf dem Präsentierteller und kann sich vor freudigen Zurufen der Nachbarschaft nicht retten. Die Hecke sollte, um sich vor Blicken von außen zu schützen, mindestens 1,80 Meter hoch sein. Um aus der Not eine Tugend zu machen, bietet sich an eine gemischte Hecke zu pflanzen mit unterschiedlichen Gehölzen, wie Bauernjasmin, Liguster, Eibe oder Hainbuche, auch ein wolliger immergrüner Schneeball bietet sich an. Wenn der Platz vorhanden ist gerne auch zweireihig versetzt.

Sitzplatz am Abend

In meinem Mondgarten habe ich eine halbhohe Trockenmauer aufgerichtet, die einerseits den Sitzplatz einrahmt und andererseits die Wärme des Tages speichert und abends abgibt. Denn Abends steigt die Feuchtigkeit auf und macht das Sitzen ungemütlich. Mit der Mauer gewinne ich aber ein paar Stunden trockene Wärme. Schön ( und auch wirkungsvoll! ) sind auch Sonnensegel oder improvisierte Zelte aus Stoffbahnen, die die Abendfeuchte von oben ein wenig zurückhalten. Der Phantasie in der Ausstattung sind keine Grenzen gesetzt.

Braucht Berlin eine weitere Verdichtung durch Wohnungsbau?

Ich denke nein.

Ja, – Berlin braucht bezahlbaren Wohnraum, aber nicht auf Kosten gewachsener Grün- und Freiflächen. Die Bequemlichkeit sich an Grünflächen zu vergreifen, statt im Bestand den Verkauf an Privatinvestoren zu unterbinden und eine Sanierung mit Augenmaß durchzuführen, scheint keine Grenzen zu kennen. Natürlich ist es leichter mit einem Bagger Kleingartenkolonien zu roden, natürlich ist es leichter eine Freifläche wie das Tempelhofer Feld zu bebauen, aber wir haben so viele „Bausünden“ in Berlin, die ohne Weiteres für den Wohnungsbau abgerissen und im Sinn der Europäischen Stadt entwickelt werden können, ohne wichtige Habitate für Fauna und Flora zu zerstören. Natur ist überlebenswichtig für die Stadt.

Die meisten Flächen, die sich zum Wohnungsbau eignen, sind im Privateigentum. Bei den Kleingartenflächen ist das anders. Der Stadt gehören mehr als drei Viertel der Fläche aller Berliner Kleingärten. Zum Teil wird am Stadtrand gebaut, aber nur in Gegenden mit S- und U-Bahnlinien. Oder in Gebieten mit besonderer Wohnqualität, zum Beispiel am Wasser von Havel und Spree. Das Problem: Die Außenbereichen sind oft nur schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, aber anstatt das zu ändern, geht man den Weg des geringsten Widerstandes. Auch Ärzte, Supermärkte und Kitas fehlen. Die Ränder der Stadt müssen erschlossen werden, was natürlich sehr teuer ist.

Es ist die heutige Lebensqualität, die Berlin so lebenswert macht und man schielt nur auf die Kosten, die zur Erweiterung der Infrastruktur benötigt werden, entstehen.

Genau der gleiche Fehler, der zum Beginn der Industrialisierung in Berlin gemacht wurde, wird hier wiederholt. James Hobrecht entwickelte einem Plan dem seinerzeit entgegen zu steuern. Der Hobrecht-Plan sah folgendes vor (Zitat):

 Bedingt durch das Wachstum der Stadt und die 1861 erfolgten Eingemeindungen reichten die Planungen der Hobrecht-Kommission weit über das damalige Stadtgebiet hinaus. Der am 18. Juli 1862 als Bebauungsplan der Umgebungen Berlins genehmigte Hobrecht-Plan umfasste in 14 Abteilungen das bebaute und kartografisch erfasste unbebaute Land der Städte Berlin und Charlottenburg sowie der Gemeinden Reinickendorf, Weißensee, Rixdorf und Wilmersdorf

Umgesetzte und nicht realisierte Teile des Plans mit weiteren Stadterweiterungen

Von Sebastian GollinDer ursprünglich hochladende Benutzer war S. Gollin in der Wikipedia auf Deutsch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57420859
Von Sebastian Gollin

Der Plan sah zwei ringförmige Gürtelstraßen vor, die die Städte Berlin und Charlottenburg komplett umgeben. Die dazwischen liegenden noch unbebauten Flächen sollten durch Diagonalstraßen und nach allen Richtungen führende Ausfallstraßen in rechtwinklige Baublöcke aufgeteilt werden. Zur Straße sollten bürgerliche Wohnhäuser entstehen, in den Innenhöfen war Wohnraum für Arbeiter und Werkstätten vorgesehen. Hobrecht erwartete, dass dadurch verschiedene Bevölkerungsschichten friedlich zusammenleben könnten.

Umgesetzte und nicht realisierte Teile des Plans mit weiteren Stadterweiterungen

Da das Bauen durch keine weitergehenden Vorschriften geregelt wurde, entstand in den Folgejahren eine sehr dichte Bebauung. Der Mangel an weitergehenden Vorschriften führte zu Immobilienspekulationen und dem Wachstum der berüchtigten Mietskasernen des ‚Steinernen Berlins‘, in denen die Menschen unter engsten Verhältnissen wohnten.

Hobrecht als Verfasser des Planes wird oft als Hauptschuldiger für die Entstehung der Mietskasernen und der dortigen schlechten Wohnverhältnisse angesehen. Erst in der heutigen Zeit wird die Bedeutung des Hobrecht-Plans für die Stadtentwicklung anerkannt. Die eigentliche Verantwortung für die Entstehung der dichten Blockbebauung trugen die Spekulationen mit Immobilien und der Gesetzgeber, der damals seine Steuerungsfunktion für die Entwicklung kaum wahrnahm. Nicht die Planung ist die Ursache des Mietskasernen-Problems, sondern das Streben mit möglichst wenig Finanzeinsatz einen hohen Gewinnertrag zu erreichen. Trotz der negativen Wirkungen war der Hobrecht-Plan Voraussetzung für die Lösung des zur Jahrhundertwende entstehenden Wohnungsproblems und ermöglichte die für die Stadthygiene unumgängliche Einführung der Stadtentwässerung. Heute noch ist seine Planung bestimmend für weite Teile des Berliner Stadtbildes.

Klaus Strohmeyer: James Hobrecht. (1825–1902) und die Modernisierung der Stadt. Verlag für Berlin-Brandenburg 2000

Das ist die eine Seite, auf der anderen Seite werden wir durch den Klimawandel vor große Herausforderungen gestellt. Die Stadt wird sich weiter aufheizen und jede fehlende Grünfläche wird sich schmerzhaft bemerkbar machen. Schon heute haben wir im Sommer Temperaturunterschiede von 5°- 8°C zwischen Stadtrand und City, besonders die Nächte werden kaum noch Abkühlung bringen, wenn die Grünflächen in der City bebaut werden. Auch die Kleingartenbesitzer haben keine Möglichkeit mehr, den überhitzten Wohnflächen ihrer Mietwohnungen zu entgehen.

Tomaten wachsen im Rheinflußbett Sommer 2018

Die Möglichkeit, die ich sehe, diesem Dilemma zu entgehen, wäre die Gärten auf die Dächer zu verlegen, Fassaden zu begrünen, kleinere Grünflächen vor Ort zu schaffen, grüne Bänder durch Berlin zu ziehen, die Kleingärten und das Tempelhofer Feld zu erhalten. Den Bau von neuen Hochhäusern zu unterbinden, um die Durchlüftung der Stadt zu fördern, die Außenbezirke mit Infrastruktur zu versorgen und an den Nahverkehr anzubinden, diesen bezahlbar zu halten.

Aber das Alles erfordert Mut, Geld und Weitsicht, der Wille war bis jetzt dazu jedenfalls nicht vorhanden und man sollte dieses Thema, aus Trägheit, nicht Populisten überlassen.

Auch wenn es unbequem ist und auf Widerstände stößt.

Wirklich zukunftsweisende Entwicklungen unserer Stadt, für die nächsten 50 Jahre vorausschauend zu planen, sollte unser vornehmstes Ziel sein, wir müssen jetzt handeln und es nicht den nächsten Generationen zumuten, damit irgendwie fertig zu werden.

Die Monotonie der Gleichmacherei

Phantasielose Heckenbepflanzung

Wenn ich durch Berlin laufe und mir die neu entwickelten Wohnstandorte ansehe, sind die meisten austauschbar und monoton. Die unvermeidliche Kirschlorbeerhecke (ist gerade große Mode unter Bauinvestoren, wenn nicht doch auf Thuja zurückgegriffen wird), zwei Kugelahorne links und rechts vom Eingang, in diesem Fall wurden wenigstens 3 Birken gepflanzt, ein paar Bodendecker, der Rest pflegeleichter Betonbelag, wo man im Grunde mit dem Staubsauger gleich weiter putzen kann.

Neudeutsch bezeichnet man das als modulare Bauweise, einmal vom Architekten entworfen und einmal bezahlt, 100fach gebaut, aber eigentlich eine Verarmung der Gesellschaft, weil langweilig, beliebig und egal. Und es trifft alle Bauten, ob Einfamilienhaus oder Wohnblock. Der Garten ist von der Stange.

Gartenhaus, Rasen, Blumenrabatte und dank der EnEV (Energiesparverordnung) kein Baum und Strauch höher als zwei Meter, da ja sonst die Verschattung droht und die wertvolle Ökobilanz des Energiesparhauses den Bach runter geht.

Noch schlimmer ist die Technik, bei der das Haus mit Luft Wasser Wärmepumpen beheizt wird und die Schläuche dafür im Garten verlegt sind, sodass man nur monotonen Rasen verlegen kann ( am besten Kunstrasen, den muss man nicht mal mehr mähen).

Im Grunde geht das vollkommen am Menschen vorbei. Er lebt in einer Plastikhülle, die künstlich belüftet werden muss und schneidet sich draußen, weil kein Baum und Strauch mehr wachsen darf, von der Sauerstoffzufuhr ab.

Das ist schon schizophren, denn die beiden Verordnungen Naturschutz und EnEV, die eigentlich helfen sollten den Klimawandel zu bremsen, laufen in Deutschland vollkommen aneinander vorbei.

Die ewige Frage: Was wächst wo?

 

Immer wenn ich mit einer Gartenplanung beauftragt werde, kommt diese Frage von meinen Auftraggebern. Nach vielen „ try and error“ Versuchen sind sie frustriert und glauben nicht wirklich an eine Lösung. Für mich ist es dann immer sehr schwierig, sie von Gegenteil zu überzeugen.

Natürlich kann man radikal vorgehen und wie im Botanischen Garten geeignete Standortbedingungen schaffen, viele Gärtner bieten so etwas ihren Kunden an.

Im ersten und zweiten Jahr funktioniert das toll und sieht klasse aus, – ohne Zweifel. Aber ab dem dritten Jahr fangen die Pflanzen an zu kränkeln oder verschwinden ganz. Denn der Aufwand der im Botanischen Garten für die Pflege der Pflanzen geleistet wird ist im normalen Leben mit viel Zeit, und wenn man die nicht hat, mit entsprechenden Kosten verbunden.

So ist es einfach sinnvoller die vor Ort gegebenen Bedingungen für sich arbeiten zu lassen und geeignete Pflanzen heraus zu suchen und zu setzen.

Hier beginnt die wirkliche Kunst, was am Standort wächst, entspricht nicht unbedingt dem Baumarktpflanzen Sortiment. Ganz abgesehen davon, dass die Qualität unter der Quantität der gebotenen Pflanzen leidet. Und weil die Marge zu gering ist, müssen viele kleine Pflanzen möglichst schnell verkauft werden, damit sich das für die Baumärkte rechnet.

Masse statt Klasse

Klar man kann auch in Fachgärtnereien und Baumschule Pech haben, aber die Chancen genau die passenden Pflanzen zu finden ist erheblich größer, da das Sortiment eher auf die örtlichen Standortbedingungen abgestimmt ist und nicht ganz so stark den Modeströmungen folgt.

Das Wasser mitdenken

 

Überflutete Straßen, vollgelaufene Gebäude und Schäden in Millionenhöhe – wenn die Kanalisation die Wassermassen bei Starkregenereignissen nicht mehr aufnehmen kann, hilft nur ein durchdachtes Regenwassermanagement.
Während man in der Vergangenheit weitestgehend mit Konzepten, die auf „Verteidigung“ setzten, gearbeitet hat, setzt man heute vielmehr auf Konzepte, die sensibel und nachhaltig mit den temporär auftretenden Wassermassen arbeiten. Ziel ist es, das Wasser zwischenzuspeichern und zeitversetzt wieder an den Wasserkreislauf abzugeben.
Städte weisen ein hohes, meist brachliegendes Flächenpotenzial für Bauwerksbegrünungen wie Dach- und Fassadenflächen auf. Bauwerksbegrünung kann aufgrund ihrer bau- und vegetationstechnischen Eigenschaften einen wichtigen Beitrag zum urbanen Regenwassermanagement leisten.

 


Dieses Mehr an „Grün in der Stadt“ generiert weitere positive Effekte: Luftreinhaltung, Hitzeschutz, eine Erhöhung der Biodiversität und für die Bewohner eine insgesamt höhere Lebensqualität. Aus dem Risiko Wasser kann so zukünftig eine Chance für urbane Gestaltung und den nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser werden.

 

Das Spektrum konkreter Maßnahmen ist breit:
Kleinmaßstäbliche Einzelmaßnahmen sind beispielsweise die Dach- und Fassadenbegrünung wie die Entsiegelung von Flächen mit wasserdurchlässigen Pflaster – und Straßenbelägen. Regenwasserspitzen, wie sie bei Starkregenereignissen auftreten, werden gepuffert und zeitlich verzögert abgegeben. Konstruktion und Aufbau, Substrate und Trägermaterialien sowie Pflanzen ‚managen’ das auftreffende Wasser unterschiedlich. Je nach Aufbaudicke und Begrünungsart beträgt die jährliche Wasserrückhaltung von Dachbegrünungen zwischen 40 % für die Extensivbegrünung und >90% für Intensiv-begrünungen. Im urbanen Raum können Regenspielplätze, bepflanzte Flächen und der Aufbau von Wasserwegen punktuell entlasten.

 


Auch im privaten Bereich sind Bauherren nach § 55 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) verpflichtet, Regenwasser, das auf dem neu bebauten Grundstück auftritt, getrennt vom häuslichen Schmutzwasser zu sammeln und entweder zu versickern, zu verrieseln oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser direkt oder über eine Kanalisation in ein Gewässer einzuleiten.
Einen umfassenden Hochwasserschutz bieten großmaßstäbliche Konzepte und Masterpläne, die unterschiedliche Maßnahmen kombinieren. Gleichzeitig geht es um die Neugestaltung von öffentlichen Räumen – Straßen, Plätzen und Parks –, die ein offenes Nebeneinander von (temporärem) Wasser und Infrastruktur erlauben.
„ Das Wasser mitdenken“ – dieser Leitsatz könnte für betroffene Städte völlig neue planerische und architektonische Ansätze generieren. Daraus entsteht ein interdisziplinäres Zusammenspiel von Wassermanagement, Stadtplanung, Architektur und Landschaftsarchitektur.
Gute Planung macht sich immer bezahlt.