Das Wasser mitdenken

 

Überflutete Straßen, vollgelaufene Gebäude und Schäden in Millionenhöhe – wenn die Kanalisation die Wassermassen bei Starkregenereignissen nicht mehr aufnehmen kann, hilft nur ein durchdachtes Regenwassermanagement.
Während man in der Vergangenheit weitestgehend mit Konzepten, die auf „Verteidigung“ setzten, gearbeitet hat, setzt man heute vielmehr auf Konzepte, die sensibel und nachhaltig mit den temporär auftretenden Wassermassen arbeiten. Ziel ist es, das Wasser zwischenzuspeichern und zeitversetzt wieder an den Wasserkreislauf abzugeben.
Städte weisen ein hohes, meist brachliegendes Flächenpotenzial für Bauwerksbegrünungen wie Dach- und Fassadenflächen auf. Bauwerksbegrünung kann aufgrund ihrer bau- und vegetationstechnischen Eigenschaften einen wichtigen Beitrag zum urbanen Regenwassermanagement leisten.

 


Dieses Mehr an „Grün in der Stadt“ generiert weitere positive Effekte: Luftreinhaltung, Hitzeschutz, eine Erhöhung der Biodiversität und für die Bewohner eine insgesamt höhere Lebensqualität. Aus dem Risiko Wasser kann so zukünftig eine Chance für urbane Gestaltung und den nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser werden.

 

Das Spektrum konkreter Maßnahmen ist breit:
Kleinmaßstäbliche Einzelmaßnahmen sind beispielsweise die Dach- und Fassadenbegrünung wie die Entsiegelung von Flächen mit wasserdurchlässigen Pflaster – und Straßenbelägen. Regenwasserspitzen, wie sie bei Starkregenereignissen auftreten, werden gepuffert und zeitlich verzögert abgegeben. Konstruktion und Aufbau, Substrate und Trägermaterialien sowie Pflanzen ‚managen’ das auftreffende Wasser unterschiedlich. Je nach Aufbaudicke und Begrünungsart beträgt die jährliche Wasserrückhaltung von Dachbegrünungen zwischen 40 % für die Extensivbegrünung und >90% für Intensiv-begrünungen. Im urbanen Raum können Regenspielplätze, bepflanzte Flächen und der Aufbau von Wasserwegen punktuell entlasten.

 


Auch im privaten Bereich sind Bauherren nach § 55 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) verpflichtet, Regenwasser, das auf dem neu bebauten Grundstück auftritt, getrennt vom häuslichen Schmutzwasser zu sammeln und entweder zu versickern, zu verrieseln oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser direkt oder über eine Kanalisation in ein Gewässer einzuleiten.
Einen umfassenden Hochwasserschutz bieten großmaßstäbliche Konzepte und Masterpläne, die unterschiedliche Maßnahmen kombinieren. Gleichzeitig geht es um die Neugestaltung von öffentlichen Räumen – Straßen, Plätzen und Parks –, die ein offenes Nebeneinander von (temporärem) Wasser und Infrastruktur erlauben.
„ Das Wasser mitdenken“ – dieser Leitsatz könnte für betroffene Städte völlig neue planerische und architektonische Ansätze generieren. Daraus entsteht ein interdisziplinäres Zusammenspiel von Wassermanagement, Stadtplanung, Architektur und Landschaftsarchitektur.
Gute Planung macht sich immer bezahlt.

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